Ein Unternehmen der Kirche.

Ich möchte zu einer Neubetrachtung des Kreuzesgeschehens anhalten

Der Künstler Hermann J Kassel schafft Wandkreuze, die Raum für eigene Zugänge zum christlichen Glauben schaffen

Bildhauer Hermann J Kassel im Exklusiv-Interview mit Vivat!: Ein Gespräch über Entwurf, Material und Botschaft des »Aeternus-Kreuzes«.

Vivat!-Redaktion: Bibel und sakrale Kunst bringen meist Holz als Material mit dem Kreuz in Verbindung: Weshalb haben Sie sich bei der Herstellung des »Aeternus-Kreuzes« für Stahl entschieden?

Hermann J Kassel: Als ich das Altarkreuz für die Kirche St. Evergislus in Bonn/Bad Godesberg entworfen habe, war es mir wichtig, mich von einer tradierten Vorstellung und den meist zu sehenden Darstellungen vom Kreuz als Symbol vor allem des Leidens und des Todes wegzubewegen.

Damit das deutlich werden kann, bin ich auch hinsichtlich des Materials neue Wege gegangen und von der klassischen Version eines hölzernen oder geschnitzten Kreuzes abgewichen.

Es entstand die Idee von einer abstrakten Form, einem Kreuz, das eigentlich zwei Kreuze miteinander vereint, wobei sich das innere Kreuz aus dem äußeren Kreuz dem Betrachter entgegenbiegt. Um dies umzusetzen, bietet sich Stahl wegen seiner vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten und seiner Wandlungsfähigkeit sehr gut an. Ich arbeite seit fast 30 Jahren mit diesem Material.

Aeternus-Kreuz liegendVivat!: Welche Aspekte des Kreuzesgeschehens wollten Sie mit dem Entwurf des »Aeternus-Kreuzes« in den Vordergrund rücken?

Kassel: Bei Kreuzdarstellungen in der Kunstgeschichte lassen sich grundsätzlich zwei Darstellungsformen feststellen. Die einen stellen den leidenden Jesus ins Zentrum, die sogenannten Königskreuze oder Auferstehungskreuze dagegen nehmen das Geschehen der Auferstehung in den Blick.
Mit dem »Aeternus-Kreuz« bewege ich mich zunächst in der Tradition der letzteren, gehe allerdings noch einen Schritt weiter, indem ich beide Geschehen in einer Form vereine:

Während das äußere Kreuz Leiden und Tod andeutet, symbolisiert das herausgebogene und dem Betrachter entgegenkommende innere Kreuz, das auf den Corpus anspielt, die Dimension der Loslösung vom Leid und die Auferstehung. Somit wird das gesamte Ostergeschehen von Karfreitag und Ostersonntag, Kreuzestod und Auferstehung, in ein und derselben Darstellung sichtbar.

Die so entstandene, relativ schlichte, dabei aber im selben Zuge konkrete Umsetzung schafft dem Betrachter Raum für eigene Zugänge. Für viele entsteht etwa der Eindruck, das herausgebogene innere Kreuz, das mit dem Corpus assoziiert werden kann, würde mit diesem Gestus den Betrachter aufnehmen und empfangen.

Vivat!: In welchem künstlerischen Verhältnis stehen Stahl-Kreuz und sein mitgelieferter Korrosions-Abdruck auf Büttenpapier?

Kassel: Die Abdrücke sind Teil des Kreuzes und insofern Teil des Kunstwerks. Trotzdem können sie nicht nur als bloße Erweiterung des plastischen Kreuzes gelten – in der Tat kann man sie auch als eigenständiges Kunstwerk betrachten. Hier mag die Assoziation zum Turiner Grabtuch erlaubt sein, mit dem es sich ganz ähnlich verhält wie mit den Kreuzen und den Abdrücken.

Somit ist es sowohl möglich, das Kreuz und seine Korrosions-Abdruck getrennt voneinander zu hängen als auch beide nebeneinander. Nimmt man die eigens für das »Aeternus-Kreuz« gestaltete und bearbeitete Kartonage dazu, ergibt sich eine zusätzliche Erweiterung, die das Kreuz ergänzt.

Hermann J Kassel im Interview mit katholisch.de

Mehr zum Künstler Hermann J Kassel und seinen Werken:

Portraitfoto Hermann J Kassel
Der 1960 in Oberhausen geborene Hermann J Kassel studierte Bildhauerei in Essen und an der Kunstakademie Düsseldorf, darunter auch mehrere Jahre Stahlbildhauerei.

In seinen Werken setzt sich der Künstler mit den Kontrasten Statik und Bewegung, Natürlichkeit und Künstlichkeit, Natur und Technik sowie mit Transformationsprozessen auseinander. Stahl ist ein Werkstoff, den er für viele seiner Arbeiten verwendet.

Neben den Bildern, Skulpturen, Objekten und temporären wie permanenten Installationen im öffentlichen Raum, die Hermann J Kassel schafft, realisiert er außerdem im Rahmen von Kunst-Workshops mit den Teilnehmenden verschiedene künstlerische Projekte.
Darunter etwa ein Workshop mit der katholischen Kirchgemeinde St. Peter und Paul in Reutlingen, in dem beeindruckende Kunstwerke für die Kirche entstanden.

Seine Werke stellte der Künstler bisher im internationalen Raum aus, so etwa in Prag, Danzig, Moskau, Tokio, New York, daneben in Essen, München, Köln, Münster etc.

Mehr Interessantes und Wissenswertes über Hermann J. Kassel und seine Kunst lesen Sie in einem ihm gewidmeten Beitrag auf katholisch.de.

Eine ausführliche Vita finden Sie auf der Website des Künstlers.

Erfahren Sie mehr über den Herstellungsprozess des »Aeternus-Kreuzes«!

Aeternus-Kreuz im Shop