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»40 Tage in der Wüste«

Ein Porträt der menschlichen Seite Jesu

Dass christliche Filme in den letzten Jahren einen großen Aufschwung erleben, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Wer jedoch meint, die Themen und Geschichten aus der Bibel seien allesamt ausgeschöpft und umfassend behandelt worden, hat die Rechnung nicht mit Hollywood gemacht.
Pünktlich zu christlichen Hochfesten kommen jährlich neue Streifen in die Kinos, die sich bevorzugt dem Leben Jesu oder auch anderen bekannten Bibelgeschichten widmen.

Jeshua in der Wüste ©TiberiusFilm
Jeshua in der Wüste ©TiberiusFilm

So kommt auch dieses Jahr an Gründonnerstag – also kurz vor Ostern – wieder ein christlicher Film auf die große Leinwand, mit welchem den Zuschauern ein besonderer Teil aus der Heiligen Schrift vorgestellt werden soll.
Mit dem Jesus-Film »40 Tage in der Wüste« (OT: »The last days in the desert«) wird hierbei eine in der Bibel verhältnismäßig kurze Passage filmisch umgesetzt. Die Episode, um die es geht, handelt von der Versuchung Jesu durch den Teufel, dem er während seiner 40 Tage in der Wüste begegnet.

Der Regisseur und Drehbuchautor Rodrigo García verarbeitet diesen Inhalt, dessen Ausgangspunkt die drei synoptischen Evangelien des Neuen Testaments (Markus, Matthäus und Lukas) bilden, und gestaltet diesen auf interessante Weise fiktional aus. So wird nicht nur der Versuch unternommen, die verschiedenen Versuchungen des Teufels filmisch zu interpretieren; García flicht dazuerfundene Episoden in die Geschichte ein, die ihr eine weitere Dimension verleihen und Jesus' menschliche Seite stärker zum Ausdruck bringen.

Worum geht es in »40 Tage in der Wüste«?

Nach seiner Taufe im Jordan macht sich Jesus, gespielt von Ewan McGregor, wie viele weise und heilige Männer zuvor auf den Weg in die Wüste. Dort verbringt er 40 Tage in Zurückgezogenheit, um nach Erleuchtung und Gottes Nähe zu suchen. Wider Erwarten begegnet Jeshua (hebräisch für Jesus) in der kargen Wüstenlandschaft zunächst jedoch nicht Gott, sondern dem Teufel.

Vater und Mutter im Zelt ©TiberiusFilm
Vater und Mutter im Zelt ©TiberiusFilm

Dieser erscheint ihm in der unheimlichen Gestalt seines Doppelgängers und begleitet ihn von da an durch die Wüste. Der Teufel – auch gespielt von Ewan McGregor – lässt nichts unversucht, um in Jeshua Zweifel an Gott und dessen Liebe zu den Menschen zu wecken. Kurz vor der Rückkehr von seiner spirituellen Reise begegnet Jeshua einem Jugendlichen (Tye Sheridan), der mit seiner sterbenskranken Mutter und seinem Vater ein ruhiges Leben in der Wüste verbringt. Die kleine Familie fristet ihr bescheidenes und stilles Dasein in einem Zelt, während der Vater (Ciarán Hinds) daran arbeitet, für den Bau eines Hauses Steine aus dem Felsen zu hauen.

Die Situation zwischen Vater und Sohn ist angespannt, denn dem Halbwüchsigen steht anderes im Sinn, als mit seiner Familie in der Einöde zu bleiben. Er wünscht sich, die Welt zu bereisen und träumt davon, das Meer zu sehen sowie die Metropole Jerusalem entdecken zu können. Während seine Mutter (Ayelet Zurer) die Wünsche des Sohnes nachvollziehen kann und ihn unterstützt, schwelen unausgesprochene Konflikte zwischen ihm und seinem Vater. Es gelingt beiden jedoch nicht, Missverständnisse und Verstimmungen zu klären.

Jeshua möchte helfen und packt sowohl bei alltäglichen Pflichten wie dem Wassertragen als auch beim Schlagen der Steine für das Haus mit an. In dieser Zeit lässt es sich der Teufel nicht nehmen, Jeshua immer wieder heimzusuchen. Er macht aus der Situation eine Bewährungsprobe, in welcher nicht nur die Zukunft der Familie auf dem Spiel steht, sondern in der es auch um die Frage geht, ob Jeshua dazu fähig ist, seiner Bestimmung als Sohn Gottes – bis hin zu ihrer Erfüllung – zu folgen.

Der Sohn ©TiberiusFilm
Der Sohn ©TiberiusFilm

Als der Vater eines Tages von seinem Sohn verlangt, einen riskanten Abstieg in eine Schlucht zu unternehmen, um die Probe eines kostbaren Steines zu holen, eskaliert die Situation: Der von Höhenangst geplagte Sohn weigert sich, der Aufforderung seines Vaters nachzukommen und lässt diesen selbst die Felswand hinabsteigen. Bei dem Versuch hinunterzugelangen, kommt der Vater jedoch auf tragische Weise ums Leben. Kurz bevor er stirbt, schaffen Jeshua und der Sohn es noch, zu ihm hinabzusteigen. Jeshua bringt den Leichnam des Vaters zurück zu ihrem Zuhause.

Der Sohn nimmt die Totenwaschung vor, ehe seine Mutter Feuer legt, um die Einäscherung zu vollziehen. Im Anschluss daran ermutigt sie ihren Sohn, die Wüste und somit auch sie zu verlassen, um ein neues Leben zu beginnen. Nachdem die Mutter eine Heilung durch Handauflegen Jeshuas ablehnt und stirbt, verlässt auch er schließlich nach 40 Tagen die Wüste, um seinem eigenen Schicksal entgegen zu gehen.

Außergewöhnlich menschlich

Es sind gleich mehrere Besonderheiten, die diese filmische Interpretation einer biblischen Geschichte so außergewöhnlich machen: Zum einen ist es die Wahl des Stoffes selbst.
Die bisher nur selten verfilmte Episode aus dem Leben Jesu wird in der Bibel relativ kurz und mit nur wenigen Details geschildert. Einerseits lässt es viel Raum für Freiheiten, gibt in der Regel dennoch nicht genug her, um einen ganzen Film zu füllen.

Die Mutter ist sterbenskrank ©TiberiusFilm
Die Mutter ist sterbenskrank ©TiberiusFilm

Diesem Problem kam Drehbuchautor García mit der nächsten Besonderheit im Film bei, indem er diese biblische Passage um eine zusätzliche Geschichte erweiterte. Er flocht eine von ihm erfundene Episode ein, in der Jesus während seiner Zeit in der Wüste auf eine Familie trifft.
Die geschilderte Familiendynamik wird in das Zentrum des Films gerückt. Anhand der Begegnung mit der Familie wird eine Charakterstudie von Jesus entfaltet, indem er neben seinen eigenen Problemen in universell menschliche Konflikte verwickelt wird. García versucht hierbei den Fokus auf Jesus als Menschen zu setzen:

Ich nehme die Figur Jesus und untersuche die menschliche Dimension seines Lebens. Ich kann nicht wissen, wie sich das Göttliche anfühlt, also habe ich beschlossen, Jesus mit seinen inneren Konflikten und Problemen genauso zu behandeln wie eine gewöhnliche Person.

– Rodrigo García

Der Film zeigt eine Parabel auf Vater-Sohn-Konflikte und schildert dabei auch das Ringen des Menschen um sein Verhältnis zu Gott. Jesus – zweifelsohne der berühmteste aller Söhne – muss entscheiden, ob er eine Rolle spielen soll in der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn. Diese Aufgabe ist für ihn selbst umso schwieriger, als der Teufel ihn dabei verwirrt und ihm damit zusetzen will.

Jeshua und der Vater bei der Arbeit ©TiberiusFilm
Jeshua und der Vater bei der Arbeit ©TiberiusFilm

Eine weitere Besonderheit des Filmes ist definitiv die von Ewan McGregor grandios umgesetzte Doppelrolle als Jesus und Teufel zugleich. Der Teufel erscheint Jesus in seiner eigenen Gestalt und stellt infrage, ob dieser es schaffen kann, die Probleme der Familie zu lösen. Zugleich weitet sich dieser Zweifel auch auf eine bedeutendere Frage aus, nämlich der nach Jesus' Position zu Gott und seiner Aufgabe. Der Teufel als Doppelgänger kann als die eigenen Zweifel im Inneren des Menschen Jesus interpretiert werden und eröffnet dadurch eine weitere Ebene in der Darstellung Jesu.

»40 Tage in der Wüste« bietet weit mehr als eine bloße Nacherzählung biblischer Textstellen. Das Ringen des Menschen um seinen Platz in der Welt und die Darstellung des Heilands in seiner Menschlichkeit sind hierbei von zentraler Bedeutung. Dem Zuschauer wird ein weiterer Zugang zu Jesus geboten und ermöglicht es ihm, sich auch auf andere Weise mit ihm auseinanderzusetzen.

Ein sehenswerter Film, der neue Denkanstöße und interessante Impulse bietet.

Sehen Sie sich hier den offiziellen Trailer zum Film an:


Weitere Informationen

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