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Papst Franziskus »Freude der Liebe«

Papstschreiben über die heutige Bedeutung von Ehe und Familie – und wie die Kirche ihr begegnen kann

Viele Erwartungen wurden in das apostolische Schreiben von Papst Franziskus gesetzt, in dem er seine Position zu den Ergebnissen der beiden Familiensynoden darlegt. Am 8. April 2016, dem Gedenktag des heiligen Familienvaters Josef, ist es nun so weit: unter dem Titel »Amoris Laetitia – über die Liebe in der Familie« wird das nachsynodale Schreiben von Kardinal Christoph Schönborn, Kardinal Lorenzo Baldisseri (Generalsekretär der Bischofssynode) und einer italienischen Familie vorgestellt.

Freude der LiebeWas ist ein nachsynodales apostolisches Schreiben?

Wie der Name bereits andeutet, wird ein nachsynodales apostolisches Schreiben (lat. exhortatio apostolica) in Reaktion auf eine Bischofssynode verfasst, und zwar vom Papst – das bezeichnet das Wort »apostolisch«. Das ist seit 1967 und den bisher 14 Ordentlichen Bischofssynoden immer so gewesen. Der Heilige Vater zieht jeweils Schlussfolgerungen aus den in der Synode besprochenen Themen und formuliert seine Position dazu, die einen verbindlichen Charakter hat. Deshalb wird die Schrift auch als Lehrschreiben bezeichnet. Es beinhaltet spezifische Regelungen für die katholische Kirche. Die Grundlage für das nachsynodale apostolische Schreiben bildet ein von der Versammlung der Bischofssynode verfasster Abschlussbericht, die sogenannte relatio finalis.

Das erste von Franziskus verfasste nachsynodale apostolische Schreiben vom 24. November 2013 kann man online nachlesen.

 »Amoris Laetitia« – Schlussfolgerungen aus den beiden Familiensynoden

Das aktuelle nachsynodale apostolische Schreiben, dessen Titel übrigens aus seinen Anfangsworten gebildet wird, erarbeitet Schlussfolgerungen aus gleich zwei Bischofssynoden zum Thema Ehe und Familie. Im Oktober 2014 fand die erste sogenannte Familiensynode statt, im Oktober 2015 folgte die zweite. Übrigens ist bisher einmalig in der Synoden-Geschichte, dass sich zwei aufeinanderfolgende Versammlungen mit dem gleichen Thema befassen.

Aufbauend auf den beiden Familiensynoden haben die Bischöfe nun nach zweijähriger Arbeitszeit ihren Abschlussbericht (relatio finalis) an den Heiligen Vater übergeben. Schwerpunkt des Berichts war unter anderem die Entscheidung, »dem Seelsorger im konkreten Einzelfall mehr Spielraum im Umgang mit Gläubigen zu geben, deren Leben nicht der kirchlichen Morallehre entspricht.« Das betrifft vor allem Empfehlungen in Bezug auf wiederverheiratete Geschiedene. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn soll großen Anteil an den Ausarbeitungen des Abschlussberichts haben.

Während der beiden Synoden hat sich Franziskus nicht zu den einzelnen Punkten geäußert, allenfalls sind einige Andeutungen zu seiner Positionierung in bestimmten Streitfragen bekannt. Umso mehr wurde deshalb sein Schreiben erwartet. »Amoris Laetitia«, in Buchform mit dem deutschen Titel »Freude der Liebe«, umfasst insgesamt 274 Seiten und wurde bereits am 19. März vom Papst unterzeichnet.

Inhaltliche Schwerpunkte von »Amoris Laetitia – über die Liebe in der Familie«

Der Wunsch nach Familie und dauerhafter Bindung ist auch in der jungen Generation nach wie vor groß, schreibt Papst Franziskus in den einleitenden Worten seines Buchs »Freude der Liebe«. Umso mehr gelte es deshalb, der Institution Familie von kirchlicher Seite aus den Rücken zu stärken und sich den »Probleme(n) der Familien in der Welt« helfend anzunehmen.

Familien in unserer heutigen Gesellschaft sind vor vielfältige Herausforderungen gestellt, so Franziskus. Ihre aktuellen Ansprüche, Wünsche und Probleme gilt es, von der Kirche aufzunehmen und zu begleiten. Als problematisch benennt er unter anderem den Stellenwert von Besitze und Genuss, der immer mehr in den Vordergrund trete. Wichtig ist Franziskus in dem Zusammenhang auch, Rücksicht auf die Vielfalt und die Verschiedenartigkeit der Kulturen zu nehmen und niemanden aus der Fürsorge auszuschließen:

»Es geht darum, alle einzugliedern; man muss jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben, damit er sich als Empfänger einer ›unverdienten, bedingungslosen und gegenleistungsfreien‹ Barmherzigkeit empfindet.« (»Freude der Liebe«, S. 244f.)

Bewusst nimmt der Heilige Vater hier jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit in den Blick. An diesem Fokus orientieren sich auch seine weiteren Ausführungen. »Freude der Liebe« möchte sowohl für die theologische Seite, den Dialog und die pastorale Praxis Anleitungen liefern als auch den Familien Orientierung und Anregungen geben.

Um seine Position deutlich zu machen, folgt Papst Franziskus nah dem Bild der Familie, wie es die Heilige Schrift und die Lehre Jesu zeichnet. Im selben Zuge zeigt er sich offen für aktuelle Probleme und gesellschaftliche Verhältnisse, die er wach verfolgt, benennt und verhandelt. Besondere Berücksichtigung fanden die Empfehlungen der Bischöfe zum Umgang mit sogenannten irregulären Situationen. Gemäß der Berücksichtigung des Einzelnen sollen die Seelsorger stärker nach der konkreten Situation entscheiden:

»Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in ›irregulären‹ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft.« (»Freude der Liebe«, S. 254f.)

Die Äußerungen zu Ehe und Familie, so Franziskus, haben eine spezielle Bedeutung im heiligen Jahr der Barmherzigkeit. Die »Gaben der Ehe und der Familie« gilt es, bewusst anzunehmen und Werte wie »Großherzigkeit, Verbindlichkeit, Treue oder Geduld« zu leben. Sein Schreiben möchte dazu ermutigen, »selbst Zeichen der Barmherzigkeit und der Nähe zu sein«.

Die Schrift »Freude der Liebe« gliedert sich in folgende Kapitel:

1. Im Licht des Wortes
2. Die Wirklichkeit und die Herausforderungen der Familien
3. Auf Jesus schauen – die Berufung der Familie
4. Die Liebe in der Ehe
5. Die Liebe, die fruchtbar wird
6. Einige pastorale Perspektiven
7. Die Erziehung der Kinder stärken
8. Die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern
9. Spiritualität in Ehe und Familie

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