Ein Unternehmen der Kirche.

Katharina von Bora - Die selbstbewusste Protestantin

»Business Managerin« im Hause Luther

Würde Katharina von Bora heute leben, dann würde sie wohl als ziemlich taffe Business Managerin gelten. Weil ihr berühmter Ehemann Martin Luther wenig Talent für Finanzen und die Verwaltung von Haus und Hof hatte, übernahm kurzerhand Katharina diese Aufgaben: Sie betreute die zahlreichen Gäste, die sich im Schwarzen Kloster zu Wittenberg, wo das Ehepaar lebte, einfanden, sorgte für eigene Kinder und Pflegekinder, verantwortete Haushalts-Etat und Schuldentilgung.

Sie verwaltete und bewirtschaftete eigenständig weitere Ländereien und betrieb dort Obstanbau, Vieh- und Fischzucht, braute Bier und baute Wein an. Als 1527 die Pest Wittenberg erreicht, macht sie kurzerhand das große Haus zur Krankenstation und pflegt zusammen mit anderen Frauen die Betroffenen.
Luther soll sie wegen ihrer Fähigkeiten zuweilen »Herr Käthe« genannt haben – in Anerkennung darüber, dass da eine Frau so souverän all jene Aufgaben übernahm, die sonst nur Männern zugetraut wurden.

Biografie Katharina von Bora

Die weibliche Seite der Reformation

Neben diesen ganze Aufgaben stand die Lutherin ihrem oft seelisch, später auch körperlich angeschlagenem Ehemann zur Seite. Der große Reformator muss sie darüber hinaus als Gesprächspartnerin in theologischen Fragen geschätzt haben: Ihr Briefwechsel zeigt, dass er seine bibelkundige Frau in aktuelle Diskussionen miteinbezog. Auch nahm sie als einzige Frau an den berühmten Tischgesprächen teil – wenn auch ihre Gesprächsbeiträge nicht erhalten sind.

Es ist überliefert, dass Katharina von Bora eine äußerst selbstbewusste Frau gewesen ist, die ihren Willen durchzusetzen wusste. Das mag sich auch darin zeigen, dass zuerst sie den Wunsch äußerte, Martin Luther heiraten zu wollen – und nicht er. Auch die Flucht aus dem Kloster Marienthron bei Grimma, in dem sie Ordensschwester war, spricht für ihre Durchsetzungskraft und ihren Mut:

Stadtansicht Wittenberg

Von der Nonne zur wichtigsten Frau Wittenbergs

Ursprünglich aus sächsischem Landadel stammend, beginnt die am 29. Januar 1499 geborene Katharina von Bora schon im Alter von 6 Jahren ihre Laufbahn als Ordensfrau. Als ihr und einigen anderen Nonnen später die reformatorischen Schriften Martin Luthers in die Hände fallen, entschließen sie, seinen Lehren zu folgen und dem Klosteralltag den Rücken zu kehren. Auch auf die Gefahr hin, lebenslang im Kerker einzusitzen, fliehen sie nach Wittenberg.

Ihr Mut und ihr Selbstbewusstsein in der männerdominierten Welt der Frühen Neuzeit machen Katharina von Bora zu einem Vorbild und faszinieren bis heute. Dies würdigt die Stadt Torgau seit einigen Jahren mit der Auslobung des »Katharina von Bora-Preises«, der an Frauen vergeben wird, die sich durch besonderes Engagement hervorgetan haben.
Die Gastfreundlichkeit des Ehepaars Luther wurde darüber hinaus zum Vorbild für die vielen Generationen protestantischer Pfarrhäuser, die diesem Beispiel folgten.

Katharinas Geschichte als spannende Biografie: Eleonore Dehnerts »Katharina – die starke Frau an Luthers Seite«

Die Biografie der Lutherin hat Eleonore Dehnert in anschaulichen und eindrücklichen Worten festgehalten. Speziell für das Lutherjahr 2017 wurde sie vom Brunnen Verlag neu aufgelegt. Neben ihrer Lebensgeschichte gibt das Buch einen plastischen Einblick in das Alltagsleben des 16. Jahrhunderts.

  • Ein Interview mit der Autorin über ihr Buch finden Sie hier.

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