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Passionsspiele und Passionsmusik

Bedeutung und Herkunft der Passionsspiele

PassionsspieleAls Passionsspiel bezeichnet man christliche geistliche Dramen, die die Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu nacherzählen. Dabei wechseln sich Gesang und gesprochene Texte ab. Neben der eigentlichen Passionsgeschichte werden oft auch Szenen aus dem Alten Testament in das Spiel eingefügt.
Die Tradition der Passionsspiele reicht bis ins Mittelalter zurück, bis in die frühe Neuzeit waren sie in ganz Europa verbreitet. Noch heute dauern die Aufführungen mehrere Stunden, mitunter sogar Tage, und es wirkt eine Vielzahl von (Laien-)Schauspielern mit.

Besonders in den katholisch geprägten Regionen in Bayern und Österreich wird die Tradition der Passionsspiele fortgeführt. Das wohl bekannteste Passionsspiel wird in der bayerischen Gemeinde Oberammergau aufgeführt.
1633 gelobten die Oberammergauer, jedes Jahr ein Passionsspiel aufzuführen, wenn das Dorf von der Pest verschont werden würde, und 1634 lösten die Bewohner ihr Versprechen ein.

Seit 1680 werden die Oberammergauer Passionsspiele in einem zehnjährlichen Rhythmus aufgeführt. Heute wirken bei den Aufführungen mehr als 2.000 Beteiligte als Schauspieler und Musiker mit. Die fünfstündige Inszenierung wird im eigens für diesen Zweck gebauten Freilichttheater aufgeführt und von Zuschauern aus der ganzen Welt besucht.

Eine besondere Form des Passionsspiels wird an Karfreitag in vielen Orten von Mitgliedern der Italienischen Katholischen Gemeinden aufgeführt. In aufwendigen Inszenierungen wird mit zahlreichen Laiendarstellern der Leidensweg Christi anhand der Kreuzwegstationen nachgespielt. Bei den Aufführungen ziehen die Schauspieler in einer Prozession oft mehrere Kilometer von Station zu Station durch die Stadt und spielen detailgetreu und eindrücklich die Passionsgeschichte nach.

Das lebendige Passionsspiel, die sogenannte »Passione Vivente«, hat in Süditalien eine lange Tradition. Italienische Gastarbeiter haben zur Erinnerung an die Heimat und Kultur diesen besonderen Kreuzweg nach Deutschland gebracht. Heutzutage beteiligen sich oftmals auch Deutsche und Christen anderer Konfessionen an den Passionsspielen.

Andere Formen der Passionsspiele

Eine moderne Form des Passionsspiels ist die Verfilmung der biblischen Leidensgeschichte Jesu. Zu den erfolgreichsten und bekanntesten Filmen gehört sicherlich Mel Gibsons »Die Passion Christi« aus dem Jahr 2004, der jedoch wegen der extremen Gewaltdarstellungen sehr kontrovers diskutiert wurde. Die Handlung basiert auf den Berichten der Evangelien und zeigt die letzten Stunden Jesu kurz vor der Verhaftung im Garten Getsemani bis zum Tod am Kreuz.  

Eine weitere moderne Adaption der biblischen Passionsgeschichte ist das Rockmusical »Jesus Christ Superstar« und die gleichnamige Verfilmung aus den 1970er Jahren. Die Musik schrieb der damals noch unbekannte Andrew Lloyd Webber, die Texte verfasste Tim Rice nach den Evangelien. In Musical und Film werden die letzten Tage Jesu vom Einzug in Jerusalem bis zu seiner Kreuzigung dargestellt.

Passionsmusik

Unter Passionsmusik versteht man die Vertonung des biblischen Textes der Passion Christi. Schon im 5. Jahrhundert n. Chr. war es üblich, die Leidensgeschichte im Gottesdienst vorzutragen. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich die Passionsmusik von der einstimmigen Rezitationen auf dem sogenannten Passionston in frühchristlicher Zeit über den dreistimmigen Vortrag im 13. Jahrhundert bis hin zu den berühmten Passionen von Johann Sebastian Bach.


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Quelle:
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