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Besondere und außergewöhnliche Kreuzwege

Von Lübeck bis zu den Alpen

Seit dem Mittelalter wird mit kunstvoll gestalteten Skulpturen und Bildern die biblische Passionsgeschichte dargestellt und in Kreuzwegandachten dem Leiden und Sterben Jesu gedacht. Hier stellen wir Ihnen eine Auswahl bekannter und außergewöhnlicher Kreuzwege in Deutschland und im Ausland vor.


Lübecker Kreuzweg

Kreuzweg Lübeck

Der Kreuzweg in Lübeck gilt als der wohl älteste Kreuzweg Deutschlands. Der Passionsweg wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts von dem reichen Lübecker Kaufmann Hinrich Konstin geschaffen. Der Überlieferung nach pilgerte der Kaufmann als Büßer ins Heilige Land und vermaß dort selbst die Via Dolorosa. Zurück in Lübeck ließ er einen 1650 Meter langen Kreuzweg mit sieben Stationen in der genauen Länge der Via Dolorosa errichten.
Nachdem sich 1531 die Reformation in Lübeck durchsetzte, geriet der Kreuzweg in Vergessenheit und im Lauf der Jahrhunderte wurden, bis auf die erste und die letzte, alle Stationen zerstört.
Im Jahr 1994 wurde der Lübecker Kreuzweg auf die Initiative von Helmut Siepenkort, dem damaligen Propst der Propsteikirche Herz-Jesu, erstmals wieder am Karfreitag begannen. In den folgenden Jahren beteiligte sich auch die evangelische Jakobi-Gemeinde und das gemeinsame Begehen des Kreuzweges entwickelte sich zu einem ökumenischen Ereignis.
2013 wurden die zerstörten Stationen mit Skulpturen der Künstler Karin van Ommeren, Jo Kley, Winni Schaak und Frede Troelsen neu gestaltet. Gleichzeitig ist die 2. Station des Kreuzweges Kreuzpunkt mit dem entstandenen Märtyrerweg, der ein Mahnmal gegen den Totalitarismus und ein Zeichen für Nächstenliebe, Toleranz und Zivilcourage sein soll.


Bamberger Kreuzweg

Kreuzweg Bamberg

Mitten durch die Altstadt von Bamberg führt der älteste vollständig erhaltene Kreuzweg Deutschlands aus dem Jahr 1503. Der Kreuzweg mit neun Stationen wurde von dem Ritter Heinrich Marschalk von Raueneck gestiftet und führt von der Spitalkirche St. Elisabeth bis zur Propsteikirche St. Getreu. Bei einer Pilgerreise nach Jerusalem vermaß der Ritter die Via Dolorosa mit Schritten und ließ dann in Bamberg die einzelnen Kreuzwegstationen nach seinen Messungen und in abweichender Reihenfolge als heute üblich anlegen. Kunstvolle und detailreiche Reliefplatten sowie Skulpturen aus Stein stellen an verschiedenen Stellen der Altstadt und in der Kirche St. Getreu den Passionsweg dar. Traditionell wird der Kreuzweg in Bamberg an Karfreitag begangen.


Weg der Hoffnung, Gedenkstätte »Point Alpha«, Thüringen

Direkt auf dem ehemaligen Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen befindet sich ein ganz besonderer Kreuzweg. Der »Weg der Hoffnung« führt an der Mahn- und Gedenkstätte »Point Alpha« entlang. Zur Zeit des Kalten Krieges war »Poinr Alpha« ein Beobachtungsposten der US-Armee und das Gebiet, in dem er liegt, war das wahrscheinliche Einfallstor für die Soldaten der Warschauer-Pakt-Staaten in die BRD.
Um an die Opfer von Unterdrückung, Willkür und Gewalt, die deutsche Teilung und den Widerstand der Menschen gegen die kommunistischen Diktaturen in Osteuropa zu erinnern, hat der Künstler Ulrich Barnickel 14 monumentale Metallskulpturen geschaffen, die die einzelnen Kreuzwegstationen von der Verurteilung Jesu bis zur Grablegung darstellen. Damit die Besucher die bis zu sechs Meter hohen Kunstwerke ganz unbeeinflusst auf sich wirken lassen können, gibt es an den einzelnen Stationen keine Informationstafeln zur biblischen Passionsgeschichte oder symbolischen Bedeutung. Die Begriffe wie Willkür und Mord, Solidarität und Trost, die der Bildhauer Barnickel den Skulpturen zugeordnet hat, wirken für sich und lassen dem Betrachter Raum für eigene Interpretationen. Alle Besucher, egal welcher Konfession sie angehören oder ob sie konfessionslos sind, sind eingeladen, auf dem »Weg der Hoffnung« auch eigene Erfahrungen mit Willkür oder Gewalt zu reflektieren.


Heiliges Grab, Görlitz

Kreuzweg Görlitz

Mitten durch Görlitz führt ein spätmittelalterlicher Kreuzweg, der ein wahres Gesamtkunstwerk ist. Der Kreuzweg führt von der Kirche St. Peter und Paul über die Görlitzer »Via Dolorosa« knapp 1000 Schritte bis zur Heilig-Grab-Anlage. Die Anlage besteht aus Nachbildungen der wichtigsten Stätten der großen Grabeskirche in Jerusalem: der Doppelkapelle zum Heiligen Kreuz, dem Salbhaus und der Grabkapelle.
In der Doppelkapelle befindet sich unteren Teil die Adamskapelle. Ihr Name geht auf die Legende zurück, dass Jesu Kreuzigung an dem Ort stattfand, an welchem Adam beerdigt wurde. Wie im Jerusalemer Original zieht sich auch hier ein Riss über die Wand. Er symbolisiert den zerrissenen Vorhang im Tempel zur Todesstunde Jesu. Die Oberkapelle wird Golgathakapelle genannt. Hier erinnern drei Vertiefungen im Boden an das Kreuz Jesu und die Kreuze der beiden mit ihm gekreuzigten Verbrecher. Daneben befindet sich die sogenannte Blutrinne, in die früher der restliche Abendmahlswein gegossen wurde, und die in den Riss in der Wand in der Unterkapelle übergeht. So floss Jesu Blut symbolisch in das Grab Adams.
Die Grabkapelle ist eine verkleinerte, aber genaue Nachbildung des des heiligen Grabes in Jerusalem. Die schlichte Grabkammer ist leer und der Stein vor dem Eingang ist wie am Ostermorgen zur Seite gewälzt. Zwischen dem heiligen Grab und der Doppelkapelle wurde das Salbhaus errichtet. Dort befindet sich eine Plastik von Maria, die um ihren toten Sohn weint.
Einzigartig an dieser Anlage ist nicht nur die originalgetreue Nachbildung der Bauwerke, es wurde sogar ein Landschaftsgarten mit Ölberg, Garten Getsemani und Jüngerwiese angelegt. Der Lauf der Lunitz erinnert an das Kidrontal.

Jedes Jahr gehen katholische und evangelische Christen gemeinsam den »Kreuzweg zur Nachfolge an Karfreitag«. Eine Besonderheit ist dabei die vierte Station, die Jesusbäckerei. Hier erhalten die Teilnehmer seit Jahrhunderten Salzbrot, auch Tränenbrot genannt, als Wegzehrung und Zeichen des Trostes.


Kreuzweg zum Käppele, Würzburg

Kreuzweg Würzburg

Hoch über Würzburg thront die eindrucksvolle Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung auf dem Nikolausberg. Die spätbarocke Kirche, im Volksmund »Käppele« genannt, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut. Zu der Wallfahrtskirche führt über 247 Treppenstufen eine Kreuzweganlage empor, die zu den größten ihrer Art in Deutschland gehört.
Der großzügige Treppenaufgang inmitten der Weinberge wurde ebenfalls nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut und zeichnet sich durch die symmetrischen Doppelaufgänge zu insgesamt fünf Terrassen aus. Auf den Terrassen sind die kunstvollen Kreuzweggruppen aus Sandstein aufgestellt. Die lebensgroßen Skulpturen wurden von Bildhauer Peter Wagner geschaffen.


Hochalpiner Kreuzweg in der Venedigergruppe

Ein Kreuzweg mit atemberaubendem Panorama ist in den österreichischen Alpen zu finden. Im Jahr 2016 wurde am Großvenediger der höchste alpine Kreuzweg fertiggestellt. Der Passionsweg im Nationalpark Hohe Tauern ist als Weitwanderweg mit zwei Schwierigkeitsgraden angelegt und kann als Drei- oder Viertagestour (mit Übernachtungen) begangen werden. Der Kreuzweg mit 14 Stationen führt von seinem Ausgangspunkt im Virgental, der Hubertuskapelle in Ströden, über verschiedene Berggipfel und Hütten zur Pfarrkirche zum Hl. Andreas in Prägraten. Die einzelnen Stationen markieren Tafeln aus heimischem Gestein, die der Künstler Raimund Gröfler gestaltet hat. Beim Wandern durch die unberührte Natur und vor der beeindruckenden Kulisse der Berge bietet dieser besondere Kreuzweg eine außergewöhnliche Möglichkeit zur Einkehr und Besinnung.


Kreuzweg von Lhotka, Prag

Wer nach Prag reist, sollte sich die Zeit nehmen und in der Kirche der Jungfrau Maria Königin des Friedens (P. Marie Královny Míru) im Prager Stadtteil Lhotka den Kreuzweg besichtigen. Vladimír Rudolf, der Pfarrer der Gemeinde, hat die Motive des Kreuzwegs 1968 inmitten der politischen Unruhen und Umbrüchen des Prager Frühlings entworfen, der Bildhauer Karel Stádník hat die Figuren in den 1970er Jahren aus Kunstharz erschaffen. Die 14 Kreuzwegstationen zeigen verschiedene Situationen und Ereignisse im Lauf der Geschichte, die Leid, Schmerz und Not über die Menschen gebracht haben. So werden z. B. der Abwurf der Atombombe über Hiroshima, der Märtyrer und Franziskanerpater Maximilan Kolbe, der in Auschwitz für einen anderen Häftling in den Tod ging, Mutter Teresa, die gegen das Elend kämpft, Krieg, Flucht und Hungersnöte dargestellt. Die bewegenden und berührenden Plastiken zeigen die Passionsgeschichte auf sehr eindrückliche Weise und übertragen gleichzeitig das Geschehen auf die gesamte Menschheitsgeschichte.


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Quellen:

  • Bild: Kreuzweg Lübeck: © Peter Oldekop - commons.wikimedia.org
  • Bild: Kreuzweg Bamberg: © Andreas Praefcke - commons.wikimedia.org
  • Bild: Heiliges Grab, Görlitz: © Erika Hartmann - pixelio.de
  • Bild: Kreuzweg Würzburg: © mojolo - fotolia.com