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Tradition und Brauchtum

Nikolaus-Kult und Herkunft der Bräuche

Tradition der Nikolaus-Verehrung

Die Verehrung des heiligen Nikolaus entwickelte sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts unter dem römischen Kaiser Justinian. Dieser weihte ihm eine Kirche in Konstantinopel, heute Istanbul. Über Griechenland breitete sich der Nikolaus-Kult bald bis in die slawischen Länder aus. Besonders in Russland wurde der heilige Nikolaus zu einem der beliebtesten Nationalheiligen. Ab dem 8. Jahrhundert findet sich die Nikolaus-Verehrung dann auch in Italien und wandert von dort aus auch nach Südeuropa und Mitteleuropa weiter.

In Deutschland wurde seine Verehrung im 10. Jahrhundert besonders durch Kaiserin Theophanu, die byzantinische Ehefrau des Kaisers Otto II., gefördert. Sie hatte derzeit großen Einfluss auf Kunst und Kultur des römisch-deutschen Reichs. Nikolaus sei einer ihrer »Lieblingsheiligen« gewesen. Es heißt, sie habe anlässlich ihrer Hochzeit Reliquien aus Byzanz mitgebracht. Die Reliquien befinden sich noch heute im Dom von Worms.

Weitere Reliquien des heiligen Nikolaus und deren Überführung an andere Orte sind bekannt: Im Jahr 1087 wurden dessen Gebeine geraubt und in die italienische Stadt Bari gebracht – vermutlich, um die Handelsstadt über den Reliquienkult noch attraktiver zu machen.

Ein Fingerglied des heiligen Nikolaus wurde dann 1090 wieder nach Lothringen zurück überführt, wo einige Jahre darauf eine der ersten Nikolaikirchen erbaut wurde. Sie wurde schnell ein wichtiger Wallfahrtsort.

Sankt Nikolaus - Heiliger NikolausBrauchtum

Im Laufe des 14. Jahrhunderts entstand zunächst das »Bischofsspiel« in den Klosterschulen. Ein Schüler durfte einen Tag  lang als Bischof walten. Daraus entstand der Brauch des Beschenkens der Kinder am 6. Dezember. Die Idee vom Nikolaus als Gabenbringer gibt es seit etwa 1555. Ursprünglich war deshalb der Nikolaustag Anlass des Beschenkens der Kinder, nicht Weihnachten. Dies wird in einigen Ländern heute noch so gehandhabt. Seit dem 17. Jahrhundert wurde dem gütigen Nikolaus ein kritischer, oft angsteinflößender Begleiter an die Seite gestellt.

In Deutschland unter dem Namen »Knecht Ruprecht« bekannt, heißt er in der Schweiz etwa »Schmutzli«, in den Niederlanden auch »Zwarte Piet«. Der Brauch, die Kinder zu befragen, ob sie artig und fromm gewesen sind, geht auf das biblische Gleichnis von den anvertrauten Talenten zurück. Darin wird drei Knechten Geld anvertraut, jeder von ihnen muss daraufhin rechtmäßig antworten, was er mit dem Geld gemacht habe.

Ein weiterer Brauch, den es seit dem 15. Jahrhundert gibt, ist das sogenannte  Schiffchensetzen. Weil Nikolaus auch als Patron der Seefahrer gilt, werden Schiffe aus Papier gefaltet. In diese soll er seine Geschenke legen. Später wurden die Schiffe dann durch Stiefel oder Strümpfe ersetzt, die auf die Legende von den armen Mädchen und den goldenen Kugeln zurückgehen.