Ein Unternehmen der Kirche.

19. April: San Nicola da Tolentino

Armenisches Auferstehungsfest zum Ostersonnabend

Außenansicht San Nicola da TolentinoAm Nachmittag des Ostersonnabends wohnt Bonhoeffer einer Zeremonie zum armenischen Auferstehungsfest der Armenisch-katholischen Kirche bei. Diese fand vermutlich in der Kirche San Biagio degli Armeni oder in der hier abgebildeten San Nicola da Tolentino statt. In seinem Tagebuch notiert er:

Der Eindruck war der eines orientalischen Märchenspiels, mit ungeheurem Prunk und Kunstaufwand das ganze Zeremoniell durchgeführt.

Bonhoeffer: Italienreise, S. 59

In einem Brief an seine Eltern vom 19. April fügt er seinen Beobachtungen noch einige weitere Gedanken hinzu und reflektiert dabei über katholische Riten und Zeremonien sowie über die Beziehung zwischen katholischer und protestantischer Kirche.

Die Gedanken sind historisch interessant, werden nur jetzt von der modernen katholischen Theologie so furchtbar ins Symbolische gezogen, daß man sie fast gar nicht verstehen kann. Das Zeremoniell ist immer mit ungeheurer Feierlichkeit vollzogen und macht durchaus einen klassisch gehaltenen Eindruck. Eine Ausweitung dieses Zeremoniells sah ich heute nachmittag im armenisch-katholischen Auferstehungsfest. Hier nehmen sie ja immer schon die Begebenheiten vom nächsten Tag, in diesem Fall also Ostern, in den Nachmittag des Vortags, so als ob sie sich nie einen Augenblick besinnlich dem Augenblick hingeben könnten. [...] Also heute nachmittag in dem armenischen Gottesdienst spielte nur noch das Zeremoniell und Symbol eine Rolle. [...] Die Zeremonien stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. und scheinen seitdem allmählich ganz erstarrt [...]. Auf diesem Wege scheint aber der Katholizismus der römischen Kirche auch zu sein, wenn auch noch lange nicht so weit. [...] Eine Einigung mit dem Protestantisumus, so gut es vielleicht beiden Teilen wenigstens zum Teil bekäme, ist wohl ausgeschlossen.  
Bonhoeffer: Italienreise, S. 61