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Besonderheiten der Gottesdienste im Advent

Abläufe und festliche Traditionen

Die Liturgie des Advents und der Beginn des Kirchenjahres haben verschiedene Merkmale, von denen wir einige vorstellen wollen. Welche Besonderheiten gibt es im Advent und wie ist die Vorweihnachtszeit gegliedert? Erfahren Sie mehr über folgende Themen:

Die vier Adventssonntage

Mit der ersten Vesper des ersten Adventssonntags beginnt die Adventszeit und sie endet mit der ersten Vesper von Weihnachten am Heiligen Abend. Die Adventszeit in der Westkirche dauert zwischen 22 und 28 Tage und enthält immer vier Sonntage (mit Ausnahme der Bistümer, die am Ambrosianischen Ritus festhalten). Diese vier Adventssonntage haben jeweils ihr eigenes liturgisches Gepräge:

  • 1. Adventssonntag: »Der kommende Herr« (Matthäus 21,1–9),
  • 2. Adventssonntag: »Der kommende Erlöser« (Lukas 21,25–33),
  • 3. Adventssonntag: Johannes der Täufer als »Der Vorläufer des Herrn« (Matthäus 11,2–6),
  • 4. Adventssonntag: »Die nahende Freude« (Philipper, 4,4–7)
Mariä Verkündigung

Länge der Adventszeit

Die unterschiedliche Länge der Adventszeit liegt in der Tatsache begründet, dass der Beginn an einen Sonntag gebunden, das Ende aber ein fester Tag im Monat ist (24. bzw. 25. Dezember). Dabei ist der letzte Adventssonntag jeweils der Sonntag vor dem 25. Dezember. So beginnt die Adventszeit immer am Sonntag zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember.

Brauchtum im Gottesdienst des Advent

  • Im Gottesdienst wird das »Gloria« während der Adventszeit nur an Festen gesungen.
  • Die liturgische Farbe (Paramente etc.) für die Adventszeit ist das Violett als Farbe der Trauer und Buße. Eine Ausnahme bildet der dritte Adventssonntag »Gaudete« (vom lateinischen Anfangswort des Introitus »Gaudete In Domino Semper«, was mit »Freut Euch im Herrn allezeit!« übersetzt wird), an dem als Zeichen der Vorfreude die hellere Farbe Rosa Verwendung findet. Weiß ist die weihnachtliche Farbe.
  • An den letzten sieben Tagen vor dem Heiligen Abend bilden die sieben O-Antiphonen, dem Alten Testament entnommene Anrufungen des Messias, die Wechselgesänge (Antiphonen) zum Magnificat in der abendlichen Vesper.
  • Zudem sind in der katholischen Kirche sogenannte Roratemessen (morgendliche Messfeiern im Schein von Kerzenlicht) weit verbreitet.

Die sieben O-Antiphonen

Erfahren Sie mehr über die Entstehung und Bedeutung der sieben O-Antiphonen und darüber, welche Antiphonen dazugehören:

Bedeutung der Gebetsverse zur Adventszeit

O-Antiphonen

Typisch für das Ende der Adventszeit sind die so genannten sieben O-Antiphonen. Diese stellen Gebetsverse dar und werden als eine Art letzte Steigerung in der Erwartung des Advents an den sieben Tagen vor Weihnachten zum Magnificat in der Vesper gesungen. Sie sind bereits seit dem 7. Jahrhundert nachweisbar, stammen also aus spätantiker Zeit und sind somit ein sehr altes kirchliches Erbe. Die sieben O-Antiphonen setzen sich aus Zitaten der Heiligen Schrift zusammen.

Früher wurden sie auch in der Vorbereitung auf das Kommen Christi durch szenische Darstellungen etwa der Begegnung Marias mit dem Erzengel Gabriel und anderen Ereignisse aus der Kindheit Jesu begleitet.

Dabei beginnen die sieben O-Antiphonen jeweils mit einer dem Alten Testament (meist den Worten des Propheten Jesaja) entnommenen bildhaften Anrede des erwarteten Messias unter verschiedenen Heilstiteln, welche dessen ersehntes Wirken preist. Sie münden schließlich in dem lateinischen Ruf »Veni!« (»Komm!«), der um Beistand und Heil bittet. Der Name der Antiphonen leitet sich von der Anrufung »O« ab, mit welcher jede der Antiphonen beginnt.

Die sieben O-Antiphonen im Überblick

  1. O Sapientia (O Weisheit) am 17. Dezember – anhören
  2. O Adonai (O Herr) am 18. Dezember– anhören
  3. O Radix Jesse (O Wurzel Jesse) am 19. Dezember– anhören
  4. O Clavis Davis (O Schlüssel Davids) am 20. Dezember– anhören
  5. O Oriens (O Morgenstern) am 21. Dezember– anhören
  6. O Rex Gentium (O König der Völker) am 22. Dezember– anhören
  7. O Emmanuel (O Gott mit uns) am 23. Dezember– anhören

Übrigens bilden die Anfangsbuchstaben der sieben O-Antiphonen, liest man sie in der Reihenfolge rückwärts, ein sogenanntes Akrostichon: Sie ergeben die lateinischen Worte »ero cras«, welche übersetzt werden können als »Morgen werde ich kommen«.

»Conditor Alme Siderum« – Adventshymnus

Der Hymnus »Conditor Alme Siderum« zählt zu den bekanntesten Adventshymnen und hat seinen Ursprung bereits in der Antike. Erfahren Sie hier mehr über seine Tradition, seine Bedeutung und die Bräuche, die mit dem Hymnus verbunden sind!

Entstehung und Bedeutung

Der Hymnus »Conditor Alme Siderum« gehört zu den bekanntesten Hymnen im Advent und seine Entstehung reicht bereits in die Spätantike (7. Jahrhundert) zurück. Der Verfasser des Textes ist nicht überliefert. Im Zuge einer Überarbeitung der Hymnen des Römischen Breviers im Jahr 1632 durch Papst Urban VIII. wurden die Lieder zum Advent stark verändert und auch dieser Hymnus bildete keine Ausnahme. Nur eine Zeile des ursprünglichen Hymnus blieb in dieser revidierten Fassung erhalten. Mittlerweile wird in der katholischen Liturgie aber wieder jene Fassung verwendet, die bereits im 10. Jahrhundert im Kloster Kempten nachgewiesen wurde. Von dort ist auch die heutige Melodie überliefert.

Conditor alme siderumDer eigentlich sechsstrophige, später aber um Strophe 5 erweiterte Hymnus ruft Christus an und preist diesen als den ewigen, mit dem Vater wesensgleichen Sohn Gottes, welcher aus der Jungfrau Maria Mensch wurde, um die todverfallene Menschheit und somit die gesamte Schöpfung zu erlösen und seiner Herrschaft zu unterstellen. In der vorletzten Strophe wird der kommende Weltrichter um Schutz vor den Angriffen des Teufels angerufen. Das Ende des Hymnus bildet ein Gebet, genauer: eine trinitarische Doxologie.

»Conditor Alme Siderum« als Text

Der komplette Hymnus »Conditor Alme Siderum« auf Latein:

Conditor alme siderum, aeterna lux credentium, Christe, redemptor omnium, exaudi preces supplicum.
Qui condolens interitu mortis perire saeculum, salvasti mundum languidum, donans reis remedium,
Vergente mundi vespere, uti sponsus de thalamo, egressus honestissima Virginis matris clausula.
Cuius forti potentiae genu curvantur omnia; caelestia, terrestria nutu fatentur subdita.
Occasum sol custodiens, Luna pallorem retinens, Candor in astris relucens Certos observant limites.
Te, Sancte, fide quaesumus, venture iudex saeculi, conserva nos in tempore hostis a telo perfidi.
Laus, honor, virtus, gloria Deo Patri cum Filio Sancto simul Paraclito, in sempiterna saecula. Amen.

Die deutsche Übersetzung des Hymnus:

Erhabener Schöpfer der Gestirne, ewiges Licht der Glaubenden, Christus, Erlöser aller, erhöre die Bitten der Flehenden.
Mitleidend mit der Welt, die im Todesuntergang verging, hast du die kranke Welt gerettet, indem du den Angeklagten das Heilmittel schenktest;
als der Abend der Welt sich senkte, wie der Bräutigam aus dem Brautgemach hervorgegangen aus der ehrwürdigsten Zelle der jungfräulichen Mutter;
du, vor dessen gewaltiger Macht alles die Knie beugt, auf dessen Wink Mächte des Himmels und der Erde sich unterworfen bekennen.
Die Sonne, die ihre Untergangszeit einhält, der Mond, der seinen bleichen Schein behält, der weiße Glanz, der in den Sternen widerleuchtet, sie beachten die bestimmten Grenzen.
Dich, Heiliger, bitten wir vertrauensvoll, kommender Richter der Welt, bewahre uns in der Zeit vor dem Geschoss des treulosen Feindes.
Lob, Ehre, Macht, Herrlichkeit Gott dem Vater mit dem Sohn wie auch dem heiligen Tröster in alle Ewigkeit. Amen.

Brauchtum und Tradition

Stundengebet

Es ist alter Brauch, den Hymnus »Conditor Alme Siderum« zu Beginn der Vesper in der Adventszeit zu beten bzw. zu singen.

Nachdichtung durch Thomas Müntzer:

Der bekannte Reformator Thomas Müntzer (1489–1525) dichtete im Jahr 1523 nach diesem alten Hymnar das berühmte Adventslied »Gott, heilger Schöpfer aller Stern«. Dabei übersetzte Müntzer größtenteils wortgetreu, setzte aber an einigen Stellen auch deutlich eigene Akzente. Die heutige Form des Müntzer-Textes ist dem aktuellen Sprachgebrauch und Versrhythmus-Empfinden angepasst worden.

Das Lied findet sich im Gotteslob unter der Nummer 230 (GL alt 116) sowie im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 3.

Folgende Feste fallen traditionell in die Adventszeit

  • Das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember. Dieses Marienfest steht in enger Beziehung zum Fest Mariä Geburt am 8. September, neun Monate später.
  • Das Fest der heiligen Barbara am 4. Dezember, wo es Brauch ist, sogenannte Barbarazweige (in der Regel Obstbaumzweige, oft Kirschzweige) zu schneiden, die dann an Weihnachten blühen sollen.
  • Das Fest des heiligen Nikolaus am 6. Dezember.
  • Das Fest der heiligen Lucia am 13. Dezember.

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Quellen: