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Karfreitag - Höhepunkt der Fastenzeit

Gedenktag der Kreuzigung Jesu

Was bedeutet der Karfreitag?

Am Freitag unmittelbar vor Ostern gedenken Christen dem Leiden und Sterben Jesu am Kreuz, mit dem er freiwillig die Sünden der Welt auf sich genommen hat. Karfreitag ist einer der höchsten Feiertage für katholische und evangelische Christen.

Der Name Karfreitag leitet sich vom althochdeutschen »chara« bzw. »kara« ab, was »Trauer« und »Wehklage« bedeutet. Der Karfreitag gehört zum »Triduum Sacrum« (Heilige drei Tagen). Die heiligen drei Tage beginnen mit der Feier des letzten Abendmahls an Gründonnerstag und erstrecken sich über Karfreitag und Karsamstag bis zur Vesper am Ostersonntag. Der Karfreitag ist außerdem der Höhepunkt der vorösterlichen Fastenzeit.

In Deutschland ist der Karfreitag ein gesetzlicher und zugleich stiller Feiertag. Um den besonderen Charakter dieses Feiertages zu unterstreichen, sind an Karfreitag öffentliche Veranstaltungen wie Märkte und Unterhaltungsveranstaltungen verboten, es gilt zudem das Tanzverbot.

Was geschah an Karfreitag?

Die biblische Überlieferung der Kreuzigung Jesu

Karfreitag - Kreuzigung Jesu

Jesus vor dem Hohen Rat

Nachdem Jesus in der Nacht verhaftet wurde, brachte man ihn zum Hohenpriester Kajaphas zum Verhör. Die Hohenpriester und der Hohe Rat suchten nach Zeugen, um mit ihren Aussagen das Todesurteil gegen Jesus zu bewirken. Viele machten Falschaussagen, die aber nicht für eine Verurteilung reichten. Da fragte der Hohepriester Jesus, ob er der Messias, der Sohn Gottes sei, und Jesus antwortete: »Ich bin es.« (Mk 14,62 EU). Damit hatte sich Jesus in den Augen des Hohen Rats und der Hohenpriester der Gotteslästerung schuldig gemacht und sie forderten dafür seine Verurteilung zum Tod am Kreuz.

Die Verleugnung des Petrus

Während Jesus verhört wurde, wartete Petrus im Hof des Palastes. Dreimal wurde er gefragt, ob er mit Jesus zusammen war und dreimal verleugnete er ihn. Als der Hahn krähte, erinnerte sich Petrus an Jesu Worte und begann zu weinen (Mk 14,66-72 EU).

Das Verhör vor Pontius Pilatus

Der Hohe Rat ließ Jesus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus bringen, der das Todesurteil über Jesus sprechen sollte. Auch Pilatus befragte Jesus, doch der schwieg zu den Anschuldigungen und Pilatus zweifelte an den Vorwürfen, die der Hohe Rat gegen Jesus vorbrachte. Da es zum Paschafest Brauch war, dass der Statthalter einen vom Volk bestimmten Gefangenen freiließ, fragte Pilatus die Menschenmenge, wer das sein sollte. Das von den Hohenpriestern aufgestachelte Volk forderte die Freilassung von Barrabas und die Kreuzigung Jesu (Mk 15,1-15 EU).

Der Weg nach Golgota

Die Soldaten führten Jesus ab, setzten ihm eine Dornenkrone auf und verspotteten ihn. Dann musste Jesus selbst das Kreuz zum Hügel Golgota, einem Hügel außerhalb Jerusalem, tragen. Doch auf dem Weg brach er immer wieder unter der Last zusammen und ein Mann namens Simon von Zyrene, der zufällig vorbeikam, musste das Kreuz für ihn tragen (Mk 15,21 EU).

Jesu Kreuzigung und Tod

An der Hinrichtungsstätte kreuzigten die Soldaten Jesus und mit ihm zwei Verbrecher. Um die sechste Stunde verdunkelte sich der Himmel und als Jesus nach drei Stunden am Kreuz starb, bebte die Erde und der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei (Mt 27,45-51 EU).

In den einzelnen Evangelien unterscheiden sich die letzten Worte, die Jesus vor seinem Tod am Kreuz gesagt hat:

  • Matthäusevangelium und Markusevangelium: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mt 27,46; Mk 15,34 EU)
  • Lukasevangelium: »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« (Lk 23,46 EU)
  • Johannesevangelium: »Es ist vollbracht!« (Joh 19,30 EU).

Die Grablegung Jesu

Gegen Abend bat Josef von Arimathäa Pilatus um den Leichnam Jesu. Er legte ihn in ein Felsengrab und verschloss es mit einem großen Stein. Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jesu, beobachteten, wohin Josef von Arimathäa den Leichnam brachte (Mk 15,42-47 EU).

Liturgie an Karfreitag

Der Karfreitag wurde schon von den frühen Christen als ein besonderer Feiertag begangen, woraus sich zahlreiche Traditionen und eine eigene Liturgie für diesen Feiertag entwickelt haben.

Katholische Kirche

Die Feier vom Leiden und Sterben Christi

In der katholischen Kirche ist der Hauptgottesdienst am Karfreitag die sogenannte Feier vom Leiden und Sterben Christi. Der Gottesdienst findet meist um 15 Uhr, zur überlieferten Todesstunde Jesu, statt. Am Karfreitag wird keine Heilige Messe gefeiert und so besteht der Gottesdienst aus einem Wortgottesdienst, der Kreuzverehrung und der Kommunionfeier.

Bei dem schlichten Gottesdienst ist die Kirche völlig schmucklos, auf dem Altar stehen weder Kerzen noch Blumen, das ewige Licht ist erloschen und bis zur Osternacht bleiben Orgel und Glocken stumm. Mancherorts treten an die Stelle von Kirchenglocken und Altarschellen Ratschen oder Klappern. Kinder, meist Ministranten, ziehen mit den Lärminstrumenten durch die Straßen und rufen die Gläubigen zum Gottesdienst.

Ablauf des Gottesdienstes

Wortgottesdienst

  • Zu Beginn der Wort-Gottes-Feier ziehen Geistliche und Ministranten in aller Stille in die Kirche ein. Priester und Diakon legen sich zum Zeichen der tiefen Demut gegenüber Jesus auf den Boden, die Gemeinde kniet sich hin.
  • Als Höhepunkt der Wort-Gottes-Feier wird in verteilten Rollen die Leidensgeschichte Jesu aus dem Johannesevangelium vorgelesen.
  • Nach einer kurzen Predigt werden die Großen Fürbitten vorgetragen. Dabei wird in zehn Gebeten für die Anliegen der Kirche, der Welt und der Notleidenden gebetet. Zuerst trägt der Priester das Gebetsanliegen vor, dann fordert der Diakon zum Niederknien und stillen Gebet auf. Nach der Aufforderung »Erhebet euch« steht die Gemeinde wieder auf und der Priester fasst in einem anschließenden Gebet alle Anliegen zusammen, worauf die Gemeinde mit »Amen« antwortet.

Kreuzverehrung

  • Bei der Kreuzverehrung bringt der Priester ein mit einem violetten Fastentuch verhülltes Kreuz in den Altarraum. Dabei hält er es drei Mal hoch (sog. Kreuzerhöhung) und deckt das Kreuz immer ein Stück auf, bis es vor dem Altar komplett enthüllt ist. Bei jeder Kreuzerhöhung lädt der Priester die Gemeinde mit dem gesungenen Gebetsruf »Ecce lignum crucis, in quo salus mundi pependit. Venite adoremus!« (lat. Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen. Kommt, lasset uns anbeten!) zur Kreuzverehrung ein.
  • Alternativ trägt der Priester das unverhüllte Kreuz in einer Prozession vom Eingang der Kirche zum Altar. Dabei erfolgt drei Mal die Kreuzerhöhung und der Priester ruft die Gemeinde mit dem Gebetsruf zur Kreuzverehrung auf.
  • Wenn das Kreuz im Altarraum angekommen ist, stellen sich Geistliche und Gemeinde zur Kreuzverehrung mittels Kniebeuge und Kuss auf. Mancherorts ist es auch Brauch, vor dem Kreuz Blumen abzulegen, die dann für den späteren Osterschmuck in der Kirche verwendet werden.

Kommunionfeier

  • Am Karfreitag findet keine Eucharistiefeier mit Wandlung von Brot und Wein statt. Es werden stattdessen sogenannte vorgeheiligte Hostien aus der Messe vom Letzten Abendmahl an Gründonnerstag aufbewahrt. Der Karfreitag ist der einzige Tag im Kirchenjahr, an dem keine Hostien konsekriert werden.
  • Nach der Einleitung durch das Vaterunser und Vorbereitungsgebeten reicht der Priester die Kommunion mit den vorgeheiligten Gaben. Abschließend spricht der Priester ein Dankgebet.

Nach der Gebetsstille endet die Feier vom Leiden und Sterben Christi mit einem Segensgebet über das Volk. Dabei verzichtet der Priester auf das Kreuzzeichen, er breitet stattdessen die Hände zum Segen aus. Die Gemeinde verlässt dann schweigend die Kirche.

Die liturgische Farbe für Karfreitag ist in der katholische Kirche Rot. Es symbolisiert das vergossene Blut Jesu am Kreuz und seinen Tod. Auf die Verwendung von Weihrauch wird verzichtet.

Karfreitagsprozessionen und Kreuzwegandachten

Vielerorts wird in Karfreitagsprozessionen die Passionsgeschichte lebendig und eindrücklich dargestellt. Dabei spielen Laiendarsteller die Leidensgeschichte Jesu in verschiedenen Stationen nach. Meist werden die Karfreitagsprozessionen von Mitgliedern der italienischen Gemeinden aufgeführt. Italienische Einwanderer haben diese besondere Tradition des Kreuzwegs aus ihrem Heimatland mitgebracht.

Die wohl bekannteste Karfreitagsprozession mit Besuchern aus aller Welt findet in Jerusalem entlang der Via Dolorosa, dem Leidensweg Jesu, statt.

Weit verbreitet ist auch der Brauch, an Karfreitag Kreuzwegandachten zu halten. Dabei wird dem Leiden und Sterben Jesu in 14 Stationen von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung gedacht. Die einzelnen Stationen sind meist bildliche Darstellungen, die die Geschehnisse der Passionsgeschichte zeigen.

Evangelische Kirche

Auch in der evangelischen Kirche ist der Gottesdienst an Karfreitag schlicht gestaltet, der Altarraum wird nicht geschmückt und auf Kerzen wird verzichtet. In vielen evangelischen Gemeinden wird an Karfreitag auch das Abendmahl im Gottesdienst gefeiert. Zum Zeichen der Trauer ist die liturgische Farbe Schwarz, ersatzweise ist Violett möglich.

In Anlehnung an die katholische Tradition schweigen auch in manchen evangelischen Kirchen die Glocken an Karfreitag und Karsamstag, in anderen Gemeinden läuten die Glocken zur Todesstunde um 15 Uhr. Oftmals findet anstatt oder zusätzlich zum Gottesdienst am Vormittag eine liturgische Feier zur Sterbestunde Jesu um 15 Uhr mit feierlicher Musik oder die Aufführung der Johannespassion statt.

Fastentag

Der Karfreitag ist nach der katholischen Fastenordnung ein strenger Fasten- und Abstinenztag. An diesem Tag wird auf Fleisch verzichtet und es sind nur eine einmalige Sättigung sowie zwei kleine Stärkungen erlaubt. In Erinnerung an den Karfreitag essen viele Menschen traditionell freitags Fisch.
Auch bei evangelische Christen ist es an Karfreitag üblich, kein Fleisch zu essen, häufig gibt es ein traditionelles Fischgericht.

In unserem Vivat!-Shop finden Sie zahlreiche Kreuzwegandachten, die zur Besinnung, Einkehr und Betrachtung der Leidensgeschichte Jesu und ihrer Bedeutung für die Menschen einladen.

Quellen:

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