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Traditionen und Bräuche rund um Tod und Trauer

In der christlichen Tradition sowie im Volksglauben gibt es zahlreiche Rituale und Brauchtümer im Zusammenhang mit dem Sterben. Die Jahrhunderte alten Bräuche können den Umgang mit dem Tod erleichtern und den Hinterbliebenen helfen, Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen und den Schmerz zu verarbeiten.

Wir möchten Ihnen hier einige Traditionen und Rituale rund um Tod und Begräbnis vorstellen, die auch heute noch oft praktiziert werden.

Vor dem Tod

Krankensalbung

Angesichts des nahenden Todes ist die Krankensalbung, früher auch oft »Letzte Ölung« genannt, für katholische Christen eine Stärkung der Seele, die Trost, Frieden und Mut schenken und auf das Ende des Lebens vorbereiten soll.
Bei der heiligen Ölung wird der Kranke von einem Priester mit dem sogenannten Krankenöl gesalbt. Dieses Öl besteht aus Olivenöl und Rosenöl und wird vom Bischof bei der Chrisam-Messe geweiht; es ist ein Symbol der Reinheit. Bei der Spendung des Sakraments salbt der Priester Stirn und Innenflächen der Hände des Kranken mit dem Krankenöl.
Wenn der Tod zu erwarten ist, wird zudem in einer Messfeier oder in einem Wortgottesdienst die Sterbekommunion als Wegzehrung (lat: viaticum) gereicht.

Aussegnung

Die Aussegnung bezeichnet eine kurze Andacht in der evangelischen Liturgie, bei der ein Sterbender oder bereits Verstorbener noch einmal gesegnet wird. Die Aussegnungsfeier gibt den Angehörigen die Möglichkeit, sich von dem geliebten Menschen zu verabschieden, begleitet den Sterbenden auf seinem letzen Weg bzw. befiehlt den Verstorbenen in Gottes Hände.

Zu Beginn der Andacht spricht die Pfarrerin oder der Pfarrer den Friedensgruß, das biblische Votum und ein kurzes Gebet. Mit dem sogenannten Valetsegen oder Abschiedssegen wird der Sterbende oder Verstorbene noch einmal gesegnet. Nach der Lesung aus der Bibel können die Angehörigen je nach Situation in aller Stille Abschied nehmen oder auch persönliche Worte des Dankes, der Liebe oder der Vergebung sprechen und Erinnerungen teilen. Wo gewünscht, kann auch gemeinsam ein Lied gesungen werden. Nach dem Vaterunser wird der Segen über alle Anwesenden gesprochen.

Sterbekerze

Bereits beim Empfang der Sterbekommunion oder bei Eintritt des Todes wird die Sterbekerze entzündet. Wenn noch vorhanden, kann die Taufkerze oder Erstkommunionkerze verwendet werden. Das Kerzenlicht soll dem Verstorbenen den Weg in die Ewigkeit erhellen und auch zu innerer Erleuchtung helfen.

Sterbekreuz

Das Sterbekreuz, auch Festhaltekreuz genannt, wird einem Schwerkranken oder Sterbenden in die Hände gelegt, so dass er im Moment des Todes Gott nahe ist und sich daran festhalten kann. Eine weitere Variante ist das Sterbekreuz zum Aufstellen, welches oftmals in katholischen Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen zu sehen ist.

Das Sterbekreuz ist ein als Lazaruskreuz gestaltetes Kruzifix. Es zeigt den gekreuzigten Jesus und die Enden der Kreuzbalken sind mit Kleeblättern verziert.


Nach dem Tod

Öffnen der Fenster

Unmittelbar nachdem der Tod eingetreten ist, wird oft das Fenster geöffnet oder gekippt. Dieser Brauch entstand aus der Vorstellung früherer Jahrhunderte, dass die Seele durch den Mund des Verstorbenen in den Himmel entweicht.
Zudem hat das Öffnen des Fensters auch einen rein praktischen Grund: Es tut einfach gut und beruhigt, frische Luft in das Zimmer zu lassen, in dem soeben ein Mensch gestorben ist.

Mund und Augen schließen

Aus dem Aberglauben heraus hat sich der Brauch entwickelt, dem Toten den Mund und die Augen zu schließen. So soll er zur Ruhe kommen und vor allem nicht als »Wiedergänger« mit den Hinterbliebenen in Kontakt treten.
Heute schließt man, egal in welcher Religion, dem Verstorbenen Augen und Mund als Zeichen des Respekts und um ihm ein würdevolles Aussehen zu geben.

Totenglocke

Das Läuten der Totenglocke oder Sterbeglocke am Abend des Sterbetages zeigt den Tod eines Gemeindemitgliedes an. Meist wird für das Totengeläut die größte Glocke der Kirche verwendet.

Aufbahrung

Früher war es üblich, dass der Tote von den nahen Angehörigen gewaschen, hergerichtet und im Sterbezimmer aufgebahrt wurde. Heute übernimmt meist ein Bestattungsunternehmen die Versorgung des Verstorbenen. Aber egal, ob diese Aufgabe die Familie oder der Bestatter übernimmt, ist die Aufbahrung eine große Hilfe beim Abschiednehmen.

Wenn der Tod zu Hause eingetreten ist, muss zwar der Arzt den Totenschein ausstellen, aber der Verstorbene kann bis zu 36 Stunden im häuslichen Rahmen aufgebahrt werden. So können sich Angehörige, Freunde und Nachbarn ganz in Ruhe verabschieden und das Unbegreifliche des Todes realisiert werden. Vor allem für Kinder ist es schwer, den Tod zu begreifen und in einem vertrauten Umfeld fällt es oft leichter, mit ihnen darüber zu sprechen.

Wenn der Verstorbene im Krankenhaus oder Pflegeheim gestorben ist, gibt es häufig die Möglichkeit, den Toten dort aufzubahren oder in die eigene Wohnung zu überführen.

Am Grab

Nachdem der Sarg in das Grab hinabgelassen wurde, geht die Trauergemeinde am offenen Grab vorbei und erweist dem Toten die letzte Ehre. Früher war es üblich, dass jeder Trauergast eine Handvoll oder ein Schäufelchen mit Erde in das Grab warf. Dies sollte das gemeinsame Zuschaufeln des Grabes und die Vergänglichkeit des Körpers symbolisieren.
Das Geräusch, wenn die Erde auf den Sarg fällt, wird von vielen Trauernden jedoch als sehr bedrückend und beklemmend empfunden. Deshalb ist es heutzutage nicht unüblich, dass anstelle der Erde eine Schale mit Blumen, Blütenblättern oder Sand neben dem Grab bereitsteht, die ins Grab geworfen werden können.

Leichenschmaus

Der Leichenschmaus oder Beerdigungskaffee ist eine der am weitesten verbreiteten und ältesten Traditionen bei Beerdigungen. Beim gemeinsamen Essen oder Kaffeetrinken im Anschluss an die eigentliche Trauerfeier geht es vorrangig darum, im Gedenken an den Verstorbenen zusammen zu sein. Das Totenmahl soll den Angehörigen nicht nur zeigen, dass sie nicht allein sind und das Leben weitergeht, es bietet auch einen schönen Rahmen, um sich gemeinsam an den verstorbenen Menschen zu erinnern und um Anekdoten und Geschichten über ihn zu erzählen.
Das Beisammensein, die Gespräche und Erinnerungen können den trauernden Hinterbliebenen helfen, etwas Abstand zu dem Schmerz über den Verlust zu gewinnen und ihn zu verarbeiten. Zudem ergibt sich beim Trauermahl oft auch die Gelegenheit, alte Kontakte zu pflegen oder wiederaufleben zu lassen, so dass die sozialen Bindungen gestärkt werden.

Früher hatte die Tradition des Leichenschmauses auch einen ganz praktischen Sinn. Verwandte, die eine lange Anreise hatten, und auch die Sargträger, die schwere körperliche Arbeit verrichtet hatten, sollten mit Essen versorgt werden.

Trauerkleidung

Traditionell wird die Trauer auch mit besonderer Kleidung ausgedrückt. In früheren Zeiten war im europäischen Kulturkreis die Farbe der Trauer Weiß. Erst mit der Mode des weißen Brautkleides im 19. Jahrhundert hat sich Schwarz als Trauerfarbe durchgesetzt, die den Tod und den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen symbolisiert.
Auch wenn sich die Auffassungen über die Trauerkleidung heute etwas gelockert haben, ist auf angemessene und respektvolle Kleidung auf jeden Fall zu achten. Nahe Angehörige werden auch heute meist schwarze Kleidung für die Begräbnisfeier wählen. Doch immer öfter sind auch gedeckte Farben wie dunkles Blau, Grau oder Braun auf Beerdigungen zu sehen. In manchen Fällen hat sich der Verstorbene zu Lebzeiten ausdrücklich gewünscht, dass zu seiner Beerdigung keine schwarze Kleidung getragen werden soll.

Früher war es im sogenannten Trauerjahr üblich, Trauerkleidung zu tragen. Es war genau festgelegt, ab wann graue und weiße Accessoires zur schwarzen Kleidung hinzukommen durften. Heute wird nicht mehr erwartet, dass diese strengen Vorgaben eingehalten werden. Aber oft wird es von Trauernden als hilfreich empfunden, wenn sie ihrer Umwelt ohne viele Worte anhand der Kleidung mitteilen können, dass sie sich in der Trauerzeit befinden.

Gedenkgottesdienste und Feiertage

Sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche wird mit Seelenämtern bzw. Gottesdiensten den Verstorbenen gedacht.

Etwa sechs Wochen nach dem Tod bzw. der kirchlichen Beerdigungsfeier wird in der katholischen Kirche das Sechswochenamt gefeiert. Diese Zeitspanne lehnt sich an die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern an. Das Sechswochenseelenamt soll den Abschluss der ersten Trauerphase markieren und verweist auf den christlichen Glauben an die Überwindung des Todes und die Auferstehung Jesu Christi. Mit der Feier des Jahresgedächtnisses wird ein Jahr nach dem Tod dem Verstorbenen gedacht. Dieser katholische Gedenkgottesdienst bildet den Abschluss des Trauerjahres.

Neben den Seelenämtern, die von den Angehörigen angemeldet werden und zu denen sie  Verwandte und Freunde einladen, gibt es feste Feiertage zum Totengedächtnis im Kirchenjahr.

Am 2. November zum Feiertag Allerseelen feiern die katholischen Christen das Gedächtnis der Verstorbenen. Am Allerseelentag oder bereits am Nachmittag des Vortages, dem Hochfest Allerheiligen, werden die Gräber der Angehörigen geschmückt und das sogenannte Seelenlicht entzündet, welches das »Ewige Licht«, das dem Verstorbenen leuchtet, symbolisiert. Die geschmückten Gräber werden von einem Priester gesegnet, es werden Friedhofsandachten und Friedhofsprozessionen gefeiert. Der Feiertag Allerseelen geht auf den Abt Odilo von Cluny zurück, der 998 anordnete, an diesem Tag für die Seelen der Toten zu beten.

In der evangelischen Kirche wird am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Ewigkeits- oder Totensonntag, der Gedenktag für die Verstorbenen gefeiert. Meist werden im Gottesdienst die Namen der in diesem Jahr Verstorbenen verlesenen und mancherorts die Angehörigen zu Gottesdiensten auf dem Friedhof eingeladen. Traditionell werden die Gräber mit Gestecken und Blumen geschmückt. Wie Allerseelen ist auch der Ewigkeitssonntag ein »stiller Tag«, an dem bestimmte Einschränkungen und Verbote gelten, um den besonderen Charakter dieses Tages zu schützen.
Der Totensonntag geht auf König Friedrich Wilhelm II. von Preußen zurück. Im Gegensatz zur katholischen Kirche gab es im evangelischen Kirchenjahr keinen Feiertag zum Totengedenken. Deshalb bestimmte er 1816 den letzten Sonntag im Kirchenjahr zum Gedenktag für die Verstorbenen.